NZ 13.01. - 30.01.08
NZ 31.01. - 15.02.08
NZ 16.02. - 29.02.08
NZ 01.03. - 15.03.08
NZ 16.03. - 01.04.08
NZ 02.04. - 16.04.08

Unser 2. Reisebericht beginnt leider mit einer schlechten Nachricht - der Landy hat uns im Stich gelassen !

Während der Fahrt fällt nach gewisser Zeit ein oder mehrere Zylinder aus, der Motor läuft sehr rauh und verliert erheblich an Leistung. Wir beschließen, in die nächste Landrover-Werkstatt nach Invercargill zu fahren um eine Überprüfung durchführen zu lassen. Leider ist es Freitag Nachmittag und der zuständige Mechaniker, der sich mit Landrover besonders gut auskennt, ist im Urlaub - toll ! Trotzdem erklärt sich der Meister bereit mal nachzuschauen. Nachdem er einige Punkte überprüft hat erklärt er uns mit bedenklichem Gesicht, daß er denke, daß es sich hier um eine größere Sache handele. Er vermute, es wäre Öl in den Kabelbaum, der die Einspritzung des Kraftstoffes regelt, gelangt.  Wir sollen aber am Montag nochmals vorbeikommen - dann sei der Fachmann wieder da und würde sich alles ansehen. 

Wir verbringen ein sorgenvolles Wochenende auf einem Campingplatz in der Nähe, denn weit fahren wollen wir nicht mehr. Doch wie es das Schicksal so will, lernen wir eine sehr nette Familie aus Norddeutschland kennen. Familie Thurau versüßt uns die beiden Tage etwas, so daß wir nicht ständig an unser Landyproblem denken.

Am Montag dann also nichts wie in die Werkstatt. Der Spezialist stellt sich auch wirklich als Spezialist heraus. Ziemlich schnell ist klar, daß es tatsächlich der Kabelbaum ist. Uns wird erklärt, daß es ein bekanntes Problem beim TD5-Motor ist und er dies schon mehrmals gesehen hat. Kurz und gut; der Kabelbaum muß ausgetauscht werden. Wie zu befürchten war, sind die Teile in ganz Neuseeland und Australien nicht zu beschaffen und müssen aus England eingeflogen werden. 10 Werktage ist die erste Prognose, die dann auf vielleicht 6-7 Werktage verkürzt wird. Uns wird auch gleich gesagt, daß wir mit 1500,-- bis 2000,-- EUR Reparaturkosten rechnen dürfen. Na klasse, das ist ja ein toller Anfang. Nach 2 1/2 Wochen und gerademal 2000 km auf neuseeländischen Straßen schon die erste Reparatur. Fairerweise müssen wir dazu sagen, daß uns unser Landy in 7 Jahren und 130000 km noch nicht einmal im Stich gelassen hat. Natürlich war klar, daß er Reparaturen benötigen würde -  daß er aber so früh damit angfängt, vermießt uns doch ziemlich die Stimmung.

Also, was hilfts - wir entschließen uns einen Mietwagen zu nehmen und mit dem Zelt die 10 oder vielleicht 6-7 Werktage zu überbrücken. Wieder mit Dackelgarage machen wir uns auf den Weg zum Fjordland Nationalpark. Wir fahren gleich bis zum Milford Sound, denn das Wetter ist wieder klasse. Wie der Zufall so will, treffen wir dort Familie Thurau wieder. Die erkennen uns natürlich in unserem unscheinbaren, bis zum Bersten vollgestopften Nissan Sunny erst auf den zweiten Blick.

Am Milford Sound können wir am Abend noch einige Aufnahmen machen, beschließen aber am nächsten Morgen ganz früh nochmals wiederzukommen. Am nächsten morgen stehen wir um 6.00 Uhr auf um ja rechtzeitig vor Ort zu sein. Bei herrlichem, fast windstillem Wetter, gelingen uns gute Aufnahmen vom Milford Sound und Wahrzeichen Mitre Peak mit Spiegelbild.

Die nächsten Tage verbringen wir auf diversen DOC-Campingplätzen und das Zelten macht bei solch schönem Wetter sogar richtig Spaß. Wir können Keas, die einzigen Bergpapageien der Welt, Wasserfälle, Flüsse, Berge und natürlich Regenwald fotografieren.

Am Freitag morgen verlassen wir den Fjordland Nationalpark mit einigen guten Bildern und nicht allzu schlechter Stimmung. Da es im Nationalpark jedoch keinen Handy-Empfang gibt (in Neuseeland gibt es übrigens fast nur Funklöcher), rufen wir die Werkstatt an - könnte ja sein, daß uns die erreichen wollten. Die Teile sind leider noch nicht da.

Nachdem wir in Te Anau getankt und eingekauft haben, fahren wir Richtung Queenstown. Wir wollen etwas in den Spuren Tolkiens wandeln und einige Drehorte von “Der Herr der Ringe” fotografiern. Leider ist das Wetter bei Ankunft sehr schlecht, was sich auch die nächsten 3 Tage nicht ändern soll. Trotzdem wollen wir versuchen, die erste Etappe des Routeburn-Tracks vom Routeburn Shelter zur Routeburn Flats Hut zu wandern. Mit schwerer Fotoausrüstung machen wir uns auf den Weg, drehen dann aber nach ca. 2 Stunden stetigem Anstieg wieder um. Nach insgesamt 4 Stunden sind wir wieder am Auto und erfahren, daß wir ganz kurz vor dem Ziel waren ! Naja, es war trotzdem schön, wenn auch ganz schön anstrengend - schließlich geht es fast nur bergauf.

   

 

 

 

Wir übernachten wieder auf DOC-Campingplätzen, die wir aber in Queenstown und Umgebung absolut nicht empfehlen können. Sie kosten relativ viel (7 NZ-Dollar pro Person) und bieten nur ein Plumpsklo (auf schwäbisch: Donnerbalga).  Außerdem werden die Campingplätze - uns seien sie noch so abgelegen - von der Queenstowner Jugend als Partymeilen genutzt. Das läuft dann so ab, daß ein Notstromaggregat mitgebracht wird und die ganze Nacht Musik in unbeschreiblicher Lautstärke durch die Landschaft hallt. Und das wohlgemerkt in einem Naturreservat ! Wir sprechen die Typen an und erfahren nichts als Unverständigkeit und Gepöbele. Deren Worte nach treiben die das jedes Wochenende so! Das heißt für uns, daß es Zeit ist zu gehen. Wir brechen mitten in der Nacht unser Zelt ab und verbringen die Nacht im Auto. Schade nur, daß wir schon bezahlt haben (da bricht halt wider der sparsame Schwabe durch).

Auch am Sonntag ist das Wetter bescheiden, doch wir lernen auf dem Campingplatz ein nettes Paar aus der Schweiz kennen. Sie sind ebenfalls führ mehrere Monate unterwegs und machen sich gerade für eine längere Trekkingtour fertig. Da sich bei ihrer Tour Anfangs- und Endpunkt unterscheiden, bieten wir ihnen an, sie am nächsten Morgen an den Ausgangspunkt zu fahren - sie wollen ihr Auto dann am Endpunkt deponieren. Am nächsten Morgen ist der 11.02. - mein Geburtstag. Wir wissen immernoch nichts vom Landy und es regnet in Strömen. Ich bin ziemlich depremiert, weil ich mir meinen  1. Geburtstag auf Reisen anders vorgestellt hatte. Und dem nicht genug - das nächste Unheil naht bestimmt. Wir fahren gerade den Schweizer zum Beginn des Caples Track in der Nähe von Kinloch, als uns ein Bus mit einer Ladung Japaner entgegen kommt. Wir müssen auf den Grünstreifen der schmalen Schotterstraße ausweichen und schon sitzen wir im Graben - und zwar so richtig mit der Vorderachse auf festem Grund. Nun, was tun - schließlich ist es ja ein Mietwagen und zu Dritt wieder herauswuchten - keine Chance. Gott sei Dank hat der Busfahrer das Malheur erkannt und mobilisiert seine Japaner zur Hilfestellung. Mit vereintem Kräften (ca. 12 bis 15 Mann) gelingt es dann den Nissan wieder auf den Weg zu hieven. Gott sei Dank sieht er unversehrt aus und wir sitzen nach ausgiebiger Dankesarie total fertig wieder im Wagen. Doch weiter in unserer Mission zum Caples Track-Anfangspunkt: Wir sind kurz nach Kinloch, als der Schweizer plötzlich erwähnt, daß noch 2 Flußdurchfahrten zu bewältigen wären. Wir denken zuerst, er macht nur Spaß, weil wir uns zuvor über den Landy und das Geländefahren unterhalten haben. Wie es sich herausstellt, macht er aber keinen Spaß ! Wir stehen vor der Furt und ich versuche Steffen zu überreden NICHT durchzufahren. Aber wie das so ist - Männer hören nie auf ihre Frauen - gibt er plötzlich Gas und schon spritzt das Wasser bis auf die Windschutzscheibe - aber wir sind drüben. Meinen Nerven geht es immer schlechter .... Als wir dann wenig später vor der zweiten, sehr übel aussehenden Furt stehen, drohe ich Steffen Schläge an, wenn er auch hier durchfährt. Gott sei Dank siegt schließlich die Vernunft und wir lassen den Schweizer die letzten paar Kilometer laufen. Immernoch total zittrig erreichen wir endlich wieder eine geteerte Straße. Langsam entspannen sich die Nerven und die Stimmung bessert sich erheblich, als wir zur Feier des Tages (immerhin ist ja mein Geburtstag) den Queenstowner Mc Donalds zum Mittagessen ansteuern. Am Nachmittag bessert sich dann das Wetter, so daß wir wenigstens ein paar Bilder vom Lake Wakatipu und umgebenden Bergen machen können. Bei Glenorchy wurden einige Szenen für “Der Herr der Ringe gedreht”, so z. B. Isengard und auch Lothlorien.

Am Abend treffen wir - kaum zu glauben - zum 3. Mal Familie Thurau auf dem Campingplatz. Die Welt ist doch wirklich klein! Das Hallo ist groß und wir freuen uns wirklich, die quirlige Familie wieder zu treffen. Sie laden uns zu einer Tasse Tee in ihren komfortablen Camper ein und wir feiern bei einer Kerze noch ein bißchen meinen Geburtstag.  

Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg den “River Anduin” zu suchen. In Wirklichkeit ist es jedoch der Kawarau River, der für aller Art Funsportarten wie Jetboat-Fahrten, Rafting, Wildwater Kayaking, Riversurfing oder Bungy-Jumping benutzt wird. Die Szenerie des Kawarau-Canyon ist wirklich sehr schön und beinahe unwirklich - wurden an seinen Ufern doch die gigantisch wirkenden Argonath-Säulen aufgebaut (die tatsächlich nicht höher als 2 Meter waren).

Die Umgebung um Queenstown ist wirklich sehr schön, trotzdem ist es uns hier zu voll und zu touristisiert. Alles ist vollkommen auf Abenteuer-Touristen ausgelegt und es ist - außer bei Glenorchy und im Mount Aspiring Nationalpark - kein ruhiges Plätzchen zu finden. Da wir von der Werkstatt immernoch nichts gehört haben (heute ist der 6. Tag) beschließen wir in den Mount Cook National Park zu fahren.

Der Mount Cook ist mit 3754 m Höhe der höchste Berg Neuseelands. Der 70000 ha große Mount Cook Nationalpark zählt 13 weitere Gipfel über  3000 m, Eis- und Firnfelder bedecken ca. 40 % der Landfläche des Parks. Bei der Anfahrt sind die Berge leider in dichte Wolken gehüllt aber am mit milchig-grünblau gefärbtem Gletscherwasser gefüllten Lake Pukaki scheint noch einigermaßen die Sonne. Die hellblaue Farbe des Wassers entsteht durch feinen Felsstaub, der sich wiederum aus Gletscherschliff ergibt. Wir fahren weiter bis zu Mount Cook Village und campen dort auf dem DOC-Campingplatz am Fuße des Mount Sefton.Langsam lockern die Wolken etwas auf und wir machen uns auf, die nähere Umgebung zu erforschen.

Von einem holländischen Paar, das wir zuvor schon 2 Mal im Fjordland National Park getroffen haben, (die Welt ist wirklich klein!) erfahren wir, daß das benachbarte Tasman Valley noch viel schöner sein soll. Dort soll es einen Gletschersee mit Eisbergen geben! Dank dieser Info steht für uns das Morgenprogramm des nächsten Tages fest: Tasman Glacier. Wir stehen sehr früh auf und fahren die Schotterstraße zum Trail-Anfang. Das Wetter ist zum Glück wieder einmal super: strahlender Sonnenschein und stahlblauer Himmel!  Nach kurzem Aufstieg zum Tasman Glacier Lookout erkennen wir schnell, daß der Blick vom Tasman Lake (dem Gletschersee des Tasman Glacier) viel schöner sein muß. Wir steigen wieder ab und machen uns auf den mühevollen Weg über Gesteins- und Geröllmuränen zum Seeufer. Und wirklich - der Blick ist atemberaubend: Mount Cook (ganz links im Bild) spiegelt sich mit seinen 3000er-Kumpanen im Gletschersee, der mit Eisbergen bestückt ist. Traumhaft! Langsam kommen auch schon die ersten Wolken rein, die sich (laut Wetterbericht) am Nachmittag zu richtiger Bewölkung mit Regen auswachsen sollen. Im Gebirge geht das eben schnell....

Heute ist Mittwoch (der 8. Tag) und wir beschließen einfach in der Werkstatt anzurufen. Zu unserer größten Verwunderung besteht im Mount Cook Nationalpark (zumindest beim Village) voller Handyempfang. Unglaublich ! Auf jeden Fall erfahren wir,  daß die Ersatzteile da sind und auch schon zu 3/4 eingebaut. Wir werden gegen 16.30 Uhr zurückgerufen, sobald der Einbau abgeschlossen ist und eine Probefahrt gemacht wurde. Wir freuen uns, wenn auch unter Vorbehalt - wer weiß, was bei der Probefahrt herauskommt ... Trotzdem machen wir uns auf den über 400 km langen Weg zurück nach Invercargill. Nun darf man sich das nicht wie in Deutschland vorstellen: 400 km in 4 Stunden Fahrzeit. Weit gefehlt - wir müssen den Lindis-Pass überwinden und es geht eben nur über ganz normale Landstraßen dahin. Wie das Pech es will - zwischen 16.00 Uhr und 17.00 Uhr durchfahren wir das Lindis Valley und haben absolut keinen Handyempfang. Auch das noch! Was ist, wenn die uns jetzt anrufen und wir sind nicht erreichbar? Gebannt halte ich das Handy in der Hand in der Hoffnung, daß endlich ein Netz gefunden wird. Erst um ca. 16.50 Uhr haben wir wieder Empfang. Was nun  Sollen wir uns nochmal in der Werkstatt melden? Wahrscheinlich ist keiner mehr da? In diesem Moment klingelt jedoch das Handy und die erlösende Aussage, daß alles in Ordnung wäre, kommt durch. Wir verabreden, daß wir das Auto am nächsten Morgen (Donnerstag) abholen und freuen uns unbändig. Endlich bekommen wir den Landy wieder!

Gegen 20.00 Uhr reisen wir auf dem bereits vertrauten Campingplatz bei Invercargill ein um unsere letzte Nacht im Zelt zu verbringen. Am nächsten Morgen stehen wir zeitig auf, um zwischen 8.00 und 8.30 Uhr in der Werkstatt zu sein. Die waschen den Landy noch und wir bezahlen die ansehliche Summe von 3374 NZ-Dollar (entspricht ca. 1700,-- EUR) inkl. GST. Trotzdem die Ausgabe ein Loch in unsere Reisekasse brennt, sind wir absolut glücklich unsere Reise in unserem Landy fortsetzen zu dürfen. Wir verstauen unsere Habseligkeiten wieder im Landy, geben den Mietwagen ab und machen uns auf in Richtung Wanaka/Haast Pass nach Westland.         

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