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Als wir nach angenehmer Fahrt auf Teerstraßen in El Chalten ankommen, besuchen wir erstmal die hiesige Touristeninformation. Wieder müssen wir feststellen, daß sich in den letzten 2 Jahren einiges verändert hat. Die zwei kostenlosen Campingplätze ‘La Confluencia’ und ‘Madsen’ sind geschlossen worden – angeblich war es dort zu gefährlich... Es gibt also nur noch private Plätze, die allesamt 50 Pesos für zwei Personen kosten und mehr als schäbige sanitäre Einrichtungen haben. Da es bei Ankunft aber stark regnet, beschließen wir, doch auf den Campingplatz 'El Refugio' zu gehen. Wie wir später hören, ist es die beste Wahl, denn nahezu alle Reisenden aus Europa nächtigen dort (die anderen Plätze sollen noch übler sein). Am selben Tag treffen tatsächlich auch Andrea und Frank auf ihrem Motorrad ein und wir beschließen einen netten Grillabend zu machen. Das warme Feuer zieht noch mehr Leute an (alle aus Deutschland) und so verbringen wir den Abend in fröhlicher Runde. Auch am nächsten Tag ist es noch kalt und regnerisch und so verbringen wir noch einen weiteren Tag auf dem Platz und arbeiten am Rechner. Da es gegen Abend etwas aufheitert steigert sich die Hoffnung, daß wir am nächsten Tag auf Entdeckungstour gehen könnten.

Tatsächlich ist es am nächsten Morgen heiter bis wolkig und wir suchen uns einen Fotoplatz, von dem aus wir am nächsten Morgen das gesamte Panorama mit Fitz Roy und Cerro Torre fotografieren wollen. Nach einiger Lauferei und Schwitzerei werden wir schließlich fündig: an diesen Platz wollen wir am nächsten Morgen zurückkommen. Wenn wir noch bei Dunkelheit loslaufen, können wir bei Sonnnenaufgang vorort sein. Für die Nacht stellen wir uns ‘wild’ an den Ortsausgang von El Chalten in der Nähe des Trailheads zur Laguna de los Tres direkt am Fluss. Später am Abend gesellt sich dann noch ein weiteres deutsches Fahrzeug dazu. Ein zum Camper umgebauter Mercedes-LKW (10/17er), der uns bekannt vorkommt. Den haben wir doch im Ushuaia auf dem Campingplatz stehen sehen! Wir begrüßen kurz die Familie aus Deutschland (mit kleiner Tochter), suchen aber bald in den Fahrzeugen Schutz, da es furchtbar kalt geworden ist. Wir versprechen uns jedoch, uns am nächsten Tag mehr zu unterhalten.

Am nächsten Morgen wandern wir noch bei Nacht vom Besucherzentrum aus los. Leider wird es im Laufe der Zeit immer wolkiger und es sieht so aus, als ob es nichts werden wird mit einem schönen Sonnenaufgang. Als wir vorort ankommen, müssen wir noch eine Weile im kalten, schneidenden Wind ausharren, bis dann endlich doch das erste Licht durch eine in der letzten Minute entstandenen Wolkenlücke hindurchscheint.  Nur ein paar Minuten leuchten die Gipfel der beiden markanten Bergmassive Cerro Torre (links) und Fitz Roy (rechts) rot, dann versteckt sich die Sonne langsam wieder hinter Wolken. 

Ziemlich durchgefroren machen wir uns nach getaner Arbeit wieder auf den Rückweg zum Auto. Dort angekommen, frühstücken wir erst einmal und fahren dann mit dem Landy zum am Ende des Flusstales gelegenen Lago del Desierto. Die Schotterstraße ist ziemlich übel und nach einer Stunde sind wir schon ziemlich ‘weichklopft’. Dann wird die Straße ziemlich eng und führt direkt am Steilufer des Rio De Las Vueltas entlang. Als wir ein anderes Auto entgegen kommen sehen, fährt Steffen zur rechten Seite ran. Ich sehe am Rand des Steilabfalls ein großes Loch in der Straße, wo die Erde abgerutscht ist. Panisch denke ich: ‘stopp!, da geht’s doch runter’, doch bevor ich meine Gedanken in Worte formen kann, ist es schon passiert. Das bißchen Erde, das sich noch unter Landy’s rechten Reifen (sowohl vorne als auch hinten) befindet bröckelt ab und läßt das Auto nach rechts abkippen. Ich schaue aus dem Fenster und sehe nur den Fluß ganz weit unten. In diesem Moment denken ich wirklich, daß unser letztes Stündlein geschlagen hat und wir abstürzen. Daß wir in diesem Moment unsere letzten Sekunden erleben..... ‘Wenn wir da runterfallen sind wir tot’ und ‘wie im Film’,  denke ich, ‘das passiert doch nur bei der Camel Trophy, aber nicht uns’. Betäubt vor Panik und Ungläubigkeit bleiben wir einfach sitzten. Wie durch ein Wunder, bewegt sich der Landy aber nicht weiter. Irgendwie hat er sich festgekeilt. Die Lage ist zwar alles andere als stabil, doch haben wir nun genügend Mut, beide über den Fahrersitz auszusteigen (links wäre es direkt in den Abgrund gegangen). Zwar froh, daß wir erstmal unsere eigene Haut gerettet haben, habe ich trotzdem Angst, daß der Landy doch noch mit unserem ganzen Hab und Gut abstürzt. Steffen schaut sich die Situation an: offensichtlich haben sich die Gehäuse der bei Landrover nach rechts versetzten Achsdifferentiale im Boden festgesetzt, was uns bisher vor dem Abstürzen gerettet hat. Zum Glück fahren wir Landrover, bei Toyota und Nissan sind die Differenziale in der Mitte!  Die Räder hängen über dem Abgrund. Es scheint aber, daß das Auto ‘stabil’ hängt. Es ist aber klar, daß wir es keinen Millimeter mehr bewegen und möglichst nicht berühren dürfen. Was nun tun? Können wir den Landy noch retten? Da kommt Steffen die rettende Idee: die Seilwinde! Wir sind in einem Wäldchen und zum Berg hin befinden sich einige starke Südbuchen. Wir können den Bergegurt dort befestigen und uns mit der Seilwinde hochziehen, oder? Mittlerweile hat das entgegenkommende Fahrzeug angehalten und sieht unsere Situation mit ungläubigem Entsetzen. Der junge Argentinier will helfen und befestigt den Bergegurt unter hohem körperlichen Einsatz, während Steffen die Fernbedienung zur Seilwinde herauskramt. Da sich das Auto nicht nach vorne, sondern nur nach links bewegen darf, läßt er die Handbremse angezogen und setzt gleichzeitig die Seilwinde in Bewegung. Langsam, ganz langsam zieht die Seilwinde das Auto nach oben, bei angezogener Handbremse! Als endlich wieder beide Vorderräder festen Boden unter sich haben atmen wir auf, aber es kann immernoch die Hinterachse komplett abrutschen. Wie durch ein Wunder geschieht das aber nicht und nach kurzer Zeit haben wir den Landy auf sicherem Grund. Unglaublich! Wir haben es geschafft!!! Wir bedanken uns bei der netten argentinischen Familie, die uns spontan vor Erleichterung um den Hals fällt. Nach einer emotionsgeladenen Verabschiedung, machen wir noch ein paar Fotos von den Reifenspuren, die aus dem Nichts auftauchen, denn während der Rettungsaktion hatten wir wirklich keinen Nerv zum Fotografieren. Die wirkliche Tragweite der Situation ist also nicht dokumentiert, die ist nur in unser beider Gedächtnisse eingebrannt. Auf den folgenden beiden Bildern sieht man den Landy, nachdem er gerettet wurde und Reifenspuren aus dem Nichts:  

Immer noch unter Schock, setzen wir die Fahrt zum Lago del Desierto fort. Wie durch ein weiteres Wunder scheint nichts am Auto beschädigt zu sein. Während wir fahren wird uns immer klarer, was da eigentlich hätte passieren können, ja hätte passieren müssen. Wenn wir uns die Situation nochmals genau vor Augen führen, verstehen wir nicht, warum wir NICHT abgestürzt sind. Das war wirklich so unglaublich knapp. Wir müssen anhalten und die ganze Sache erst einmal verdauen. Es wird wohl jeder verstehen, daß wir nun nicht mehr die geringste Lust am weiteren Erkunden der Umgebung verspüren.  Als Konsequenz drehen wir um und fahren langsam aber sicher zurück zu unserem Übernachtungsplatz. Einige Stunden später geht es uns schon besser, auch wenn uns die überstandene lebensbedrohliche Situation immernoch unwirklich erscheint. Gegen Abend gesellt sich die Familie mit dem Lastwagen von letzter Nacht wieder zu uns und wir unterhalten uns eine Weile. Sie sind auch aus dem Süden Deutschlands und haben den 10/17er sehr günstig für unter 10.000 EUR in Argentinien von einem Deutschen oder Schweizer (wissen wir nicht mehr genau) gekauft. Jetzt fahren sie immer im Urlaub (2x im Jahr) 2-3 Wochen damit in Südamerika herum. ‘Auch eine gute Lösung’ denken wir. Da spart man sich auf jeden Fall die nervraubende Verschiffung und im Urlaub hat man seinen eigenen fahrbaren Untersatz. Als die Nacht hereinbricht gesellt sich noch ein deutsches Wohnmobil und ein österreichischer Fotografenkollege mit Mietwagen zu unserem inoffiziellen ‘Camp’.

Am nächsten Morgen stehen wir wieder ganz früh auf, um das Wetter zu begutachten. Mein Tatendrang ist zurückgekehrt und ich will wieder fotografieren. Die Grüblerei über was hätte sein können bringt ja sowieso nichts. Die Bewölkung ist nicht ganz so schlecht und ich beschließe heute zur Laguna Capri, die auf dem Weg zur Laguna De Los Tres liegt, zu wandern. Als ich packe sehe ich, daß noch ein Argentinier, der sogar ein Zelt aufgestellt hat, über Nacht zu uns gestoßen ist. Jetzt sieht es wirklich aus wie ein Campingplatz und ich denke noch ‘mmh, wenn das mal kein Ärger gibt!

Der Aufstieg zur Laguna Capri ist sehr steil und das Wetter wird immer schlechter. Ich befürchte, daß es zu regnen angfängt und trage mich mit dem Gedanken umzukehren. Dann denke ich aber: ‘quatsch, jetzt hast du dich fast hochgequält, jetzt hältst du auch vollends durch’. Gott sei Dank habe ich mich durchgebissen, denn als ich gerade am Mirador Fitz Roy, der einen tollen Blick auf den Berg und die Umgebung bietet, ankomme, bricht plötzlich die Sonne durch die Wolken. Erfreut stelle ich fest, daß sich das Wetter während dem Rest der Wanderung zu einem lockeren Sonne-Wolken-Mix gebessert hat. 

Nach einer ausgedehnten Fotosession laufe ich noch zur Laguna Capri, doch leider ist das Licht dort schon zu schlecht. Sie befindet sich am späten Vormittag schon fast im Gegenlicht. Trotzdem ganz zufrieden mache ich mich wieder auf den Rückweg. Da es zum Glück nur bergab geht, bin ich schnell wieder in Sichtweite des Autos. Doch wo ist der Landy? Nicht mehr an unserem Übernachtungsplatz auf jeden Fall. Der ist total geräumt - keiner mehr da.... Nach einigen weiteren Bergab-Serpentinen gibt sich mir der Blick zum Parkplatz des Trailheads frei und erleichtert sehe ich den Landy dort. Als ich dann ein paar Minuten  später auf Christian (der Österreicher im Mietwagen), der sich gerade beim Aufstieg befindet, treffe, erfahre ich auch was passiert ist. Offensichtlich ist ein Parkranger vorbei gekommen und hat alle Wildcamper verscheucht. Er war wohl sehr ungehalten und machte klar, daß in 10 Minuten alle verschwunden sein müssen. Ich bin darüber nicht besonders überrascht, denn durch das Zelt hat die Sache doch schon sehr nach Campingplatz gerochen. Wahrscheinlich hat sich der Campingplatzbesitzer beschwert, denn der ist am Vortag an unserem Camp vorbeigefahren. Das Zelt könnte dann noch den Ausschlag gegeben haben.... Wie alle anderen ‘wilden’ Camper, beschließen auch wir, dieses ungastliche Örtchen daraufhin zu verlassen. Vor der Bäckerei, wo wir noch ein Brot und ein paar Empanadas als Wegzehrung kaufen, lernen wir dann Familia Jelinski aus Frankreich kennen. Die Fünfe (Vater Igor, Mutter Rachel, Tochter Sara, Sohn Charles und Tocher Eleonore) reisen auch in einem Defender, allerdings mit 2 Dachzelten. Sie sind im letzten Jahr durch Afrika gereist und nun für ein paar Monate in Südamerika unterwegs. Wir unterhalten uns ziemlich lange und finden heraus, daß sie eigentlich diesselbe Route haben wie wir. Wir treffen uns bestimmt nochmals unterwegs.

Gemeinsam fahren wir von El Chalten nordwärts, doch bald verlieren wir die nette Familie, da sie schneller unterwegs sind als wir. Immer weiter geht es Richtung Norden auf der Routa 40, bis wir am späten Nachmittag die Cueva De Las Manos, eine Höhle mit Felsbildern die Ureinwohner dort angebracht haben, erreichen. Das ganze ist UNESCO Weltkulturerbe und soll besonders gut erhaltene Pictographien enthalten. Am Parkplatz treffen wir wieder auf Familie Jelinski. Auch sie sind gerade erst angekommen und so besuchen wir gemeinsam die Felsbilder. Leider ist die Zeit zum fotografieren ziemlich schlecht, denn die Sonne scheint direkt auf die Felswände. Licht und Schatten wechseln sich ab und machen gute Bilder unmöglich. Nur ein paar wenige Ecken befinden sich im Schatten und werden durch reflektiertes Licht aufgehellt. Leider sind sämtliche Pictographien von einem hohen Zaun umgeben, da sich Leute einfach nicht beherrschen können und die Bilder zwanghaft beschädigen müssen. Um die wertvollen Geschichtsdokumente also zu erhalten, wurde ein hoher Zaun angebracht und man muß schon ein bißchen akrobatisch veranlagt sein, wenn man hier mit einer lichtstarken Linse, die nicht durch den Maschendraht passt, fotografieren will.

Gemeinsam verlassen wir mit Familie Jelinski die Cueva und wollen uns auf einem der Campingplätze in Bajo Caracoles einnisten. Doch leider ist einer geschlossen und der andere sieht so runtergekommen aus, daß wir dort wirklich nicht bleiben wollen. Schließlich kommen wir gegenüber einer Hosteria unter und verkriechen uns auch bald ins Bett, weil es schon wieder ziemlich kalt ist.

Am nächsten Tag holpern wir wieder gemeinsam weiter, kaufen in Perito Moreno ein und verbringen die Nacht auf dem Camping Municipal in Los Antiguos. Der Campingplatz hat heiße Duschen, saubere Toiletten und Stromanschlüsse für nur 5 Pesos pro Person (ca. 1 EUR). Das Auto kostet 10 Pesos (2 EUR), doch wenn wir zwei Tage bleiben, müssen wir für den weiteren Tag nur die 5 Pesos pro Person zahlen. Das ist unglaublich günstig. Endlich mal eine positive Überraschung! Weil es so schön und günstig ist bleiben wir noch einen Tag. Ich wasche Wäsche und Steffen macht technischen Dienst am Landy und schmiert mal wieder die Antriebswellen ab. Zeit zum sich unterhalten bleibt auch noch (Sara Jelinski und Steffen). 

Nach 2 Tagen Campleben geht es weiter. Wieder im Defender-Konvoi überqueren wir in Chile Chico die Grenze nach Chile und fahren am Lago General Carrera entlang. Unterwegs fallen uns wieder einmal die Flaschenansammlungen auf, die oft um kleine Schreine herum angelegt sind. Im ganzen Land sind diese Schreine an den Straßenrändern zu finden, die Deolinda Correa gewidmet sind. Angeblich soll sie der Legende nach während der Bürgerkriege in den 1840er Jahren, ihrem als Soldaten zwangsrekruierten Mann zu Fuß durch die Wüste gefolgt sein, wo sie an Durst, Hunger und Erschöpfung starb. Ihr kleiner Sohn soll aber von Maultiertreibern vollkommen gesund an ihrer Brust gefunden worden sein. Lastwagenfahrer (moderne Maultiertreiber) gehören zu ihren besonders gläubigen Anhängern und hinterlassen an den Schreinen Kerzen, kleine Geldscheine und eben Wasserflaschen, damit sie nie mehr Durst leiden muß.

 

 

Unterwegs gibt es auch einige Aussichtspunkte auf den Lago und die nutzen wir doch auch gleich zur erholsamen Pause, denn die Piste ist übelstes Wellblech. Links ist Statue Steffen und rechts Familie Jelinski mit Steffen.

Für die Nacht finden wir ein schönen Platz abseits der Hauptroute, wo wir die Stille der Pampa genießen können und gleichzeitig einen tollen Blick auf den Lago haben. Sowohl am Abend als auch am frühen Morgen ergeben sich tolle Wolkenstimmungen: 

 

Weiter geht es am nächsten Tag immer am Lago General Carrera entlang. Kurz nach Puerto Guadal erreichen wir dann endlich die Carretera Austral. Etwas später blicken wir bei wunderschönem, ruhigen Spätsommerwetter  zum letzten Mal auf den Lago, bevor wir ihn hinter uns lassen und auf der Carretera Austral gen Norden fahren. Zum Übernachten finden wir einen Platz auf einem kleinen Bauernhof, da uns der Besitzer freundlicherweise erlaubt, dort unser Camp aufzuschlagen.

Zum Teil ist die Piste wirklich eine Zumutung und wir schaffen an diesem Tag nur etwas über 100 km. Zugegeben: wir werden unterwegs auch von einem besonderen Schauspiel aufgehalten. Ein riesiger Schwarm Papageien (müssen noch herausfinden, welche Art) treibt sich entlang der Straße herum und nimmt eine Dusche an einem kleinen Wasserfall in einer Steilwand gelegen. Leider sind sie ziemlich weit weg, so daß auch 700mm Brennweite nicht ausreichen, doch alleine die Beobachtung ist schon schön.

Am darauffolgenden Tag lassen wir es aber krachen. Relativ früh starten wir und geben den Landys etwas die Sporen. Endlich bekommen wir bei Puerto Ingeniero Inbanez wieder Teer unter die Räder. Wir freuen uns so ob der Erlösung vom ständigen Geholper, daß Steffen voller Dankbarkeit den Asphalt küsst.

Bei unserem kurzen Stopp treffen wir wieder einmal auf herumstreunende Hunde, die fast immer einen inneren Zwang verspüren, unsere Reifen als ihr Revier zu markieren. Dieser hier ist aber ganz brav und wirklich süß:

Wieder gestärkt fahren wir weiter auf der nun geteerten Carretera Austral Richtung Norden. Wir fahren durch das Riserva Nacional Cerro Castillo, was uns über einen Pass von weit über 1000 m Höhe führt. Hier oben sind nun zum ersten Mal die tollen Herbstfarben Patagoniens zu sehen. Vor allem Südbuchen leuchten in den herrlichsten Rot- und Gelbtönen.

Gegen Mittag erreichen wir Coyhaique, wo wir nach langer Zeit mal wieder in einem richtig großen Supermarkt einkaufen können. Leider gibt es zum Übernachten nicht viele Möglichkeiten (die meisten Campingplätze sind schon zu) und so sind wir froh, als wir bereits bei völliger Dunkelheit im Riserva Nacional Coyhaique einen ruhigen Platz ergattern können. Da die Jelinskis noch etwas an ihrem Landy reparieren lassen müssen und es heute leider Sonntag ist (Werkstätten haben da auch in Chile zu), trennen wir uns vorübergehend. Wir versprechen uns aber, daß wir uns irgendwo auf der Carretera Austral, vielleicht im Parque Nacional Quelat, wieder treffen wollen.

Wir fahren also jetzt wieder alleine immer weiter auf der Carretera Austral. Dabei durchfahren wir einige Naturschutzgebiete wie z.B. das Reserva Nacional Rio Simpson und passieren dabei einen Wasserfall mit zugehöriger Jungfrau.

Nach abwechslunsreicher Fahrt durch zuerst landwirtschaftlich genutzte Gebiete und dann immer mehr Regenwald erreichen wir schließlich Steffens persönliche Brücke, die selbstverständlich nach ihm benannt wurde. Unmittelbar dahinter beginnt der Parque Nacional Quelat und wir befinden uns aprupt in wunderschönem, üppigem valdivianischen Regenwald. Leider wird die Carretera Austral, die mitten durch diesen Park führt, hier wieder zur schmalen Schotterstraße...

Während der Fahrt fallen uns immer wieder die großen Blätter der zum Teil mannshohen Nalca-Pflanze auf. Die Stängel können armdick werden und die Größe der Blätter kommen dem eines Regenschirmes gleich. Darumherum wachsen Bambus, Farne und viele Fuchsiensträucher, die jetzt immernoch blühen. Zwischen dem üppigen Pflanzendickicht schlängeln sich immer wieder hübsche Flüsse und Bäche. Hier soll noch eines der wenigen Rückzugsgebiete des Pudu, einer kleinen Hirschart, die im Rest des nördlichen Patagoniens schon fast ausgestorben ist, sein. Wir können unser Glück kaum fassen, als uns dann direkt auf der Straße einer begegnet. Zuerst denken wir es ist einer der allgegenwärtigen streunenden Hunde, bis wir das Tier dann mit dem Fernglas sicher als Pudu identifizieren können. Leider können wir kein Bild machen, da er sehr scheu ist und sofort im Gebüsch verschwindet, als wir versuchen unser Foto/Filmzeug auszugraben. Wir waren einfach nicht darauf gefasst, hier ein wildes Tier zu sehen. Der Anblick von Kühen, Pferden, wilden Hunden und Katzen hat sich so eingeprägt, daß wir auf wilde Tiere gar nicht mehr hoffen wollten...

Ein paar Kilometer nach der ‘Pudu-Affaire’, erreichen wir dann den Parkplatz zum ‘Sendero Bosque Encantado’. Hier führt ein Wanderweg in absolut märchenhaften, üppigen Regenwald. Überall hängen Flechten von den Ästen und die Bäume sind über und über mit Moos bewachsen. An manchen Stellen ist keine Erde oder Rinde mehr zu sehen, so dicht ist der Moos- und Flechtenüberzug. Unglaublich!!! Jetzt, noch relativ früh am morgen, tropft überall Wasser von den Flechten, so daß einem vollkommen klar wird, weshalb die auf feuchtes Klima angewiesenen Farne, Moose und Flechten hier so prächtig gedeihen. Während Steffen im vorderen Bereich etwas filmt, durchstreife ich den Wald mit Wonne.... 

 

 

Es ist auch unglaublich, wieviele verschiedene Moosarten es hier gibt. Manche sehen wie Bäumchen aus und sind gute 10 cm hoch!

Als ich zum Auto zurückkomme, empfängt mich Steffen total aufgeregt. Ich frage ihn panisch, was denn passiert sei, als er mir -immer noch etwas außer Atem- erzählt, er habe einen Puma gesehen. Er sei im Auto gesessen, habe zufällig in den Rückspiegel gesehen und etwas direkt auf der Straße auf das Auto zulaufen sehen. Zuerst habe er gedacht es sei wieder einer dieser lästigen Hunde, dann merkte er aber doch, daß das nicht simmte. Ein Fuchs vielleicht - nein, da stimmt doch was nicht mit der Körperform und der Größe. Ohne Kamera (auf der Straße gibt’s sowieso keine schönen Bilder...) sei er auf der von der Straße nicht einsehbaren Seite ausgestiegen und dem unbekannten Tier entgegengelaufen. Als die Distanz dann nur noch 40m betrug (hat Steffen mit der Schärfemessung der Filmkamera nachgemessen) und das Tier aufgeschaut hatte, konnte er es doch tatsächlich als Puma identifizieren. Unglaublich!!! Steffen konnte ohne Kamera nur hilflos zusehen, wie das Tier langsam und gemächlich (ohne Hetze) ins Dickicht lief. Es ist wirklich unfaßbar, daß Steffen wirklich einen wilden Puma gesehen hat! ‘Nur’ auf der Straße zwar, aber im dichten Wald sind die Tiere eben nicht zu sehen.

Beflügelt von der Puma-Sichtung fahren wir weiter auf der nun ziemlich steilen und kurvigen Holperpiste, bis wir schließlich das Gebiet um den Ventisquero Colgante, einem hängenden Gletscher erreichen. Der Campingplatz ist zwar ziemlich teuer, da es nicht einmal warmes Wasser für die Dusche gibt (stellt sich aber erst später heraus), aber er ist schön gelegen und man kann direkt vom Camp zum Gletscher wandern. In etwa 2 Stunden geht es zuerst steil in Serpentinen bergauf, dann etwas flacher zu einem Aussichtspunkt. Von dort ergibt sich dann der Blick auf den Gletscher und Wasserfälle, die über die Steilwand in die Tiefe donnern. Ab und zu hört man ein Krachen, wenn Eisbrocken an der Gletscherkante abbrechen und in die Tiefe stürzen. Total erledigt und durchgeschwitzt komme ich gegen Abend wieder am Camp an. Wir beschließen, an diesem Abend nochmals zum Bosque Encantado zurückzufahren, damit wir am anderen Morgen früh vorort sind und eine teure Übernachtung auf dem ziemlich herunter gekommenen Campingplatz sparen. Wir sind gerade kurz vor dem Ausgang, als uns plötzlich ein weiterer Landy entgegen kommt. Die Jelinskis haben es tatsächlich geschafft, uns einzuholen und so überlegen wir es uns noch einmals anders. Wir fahren nochmals zur Rangerstation um für eine weitere Nacht zu bezahlen, doch der Ranger winkt ab. Offensichtlich hat Rachel ihn (zusätzlich zu mir) ziemlich angemotzt, weil das campen so teuer ist und wegen Gasmangels nicht einmal warmes Wasser verfügbar ist. Zwei wütende, nach einer warmen Dusche lechtzende Frauen schüchtern ihn offensichtlich ein und so läßt er uns kostenlos übernachten. Obowohl es ziemlich kalt ist, verbringen wir zusammen mit der fröhlichen Familie einen netten Abend. Wir versuchen noch ein Feuer zu machen, doch das vorhandene Holz ist so nass, daß außer stinkendem Rauch nichts herauszuholen ist

Am nächsten Tag satteln wir wieder unsere Landys und weiter geht es auf der Carratera Austral Richtung Norden. Wir fahren an einem Fjord entlang, auf dem Lachszucht betrieben wird, und kommen später durch das hübsche Dörfchen Puyuhuapi, das von deutschen Pionieren gegründet wurde. Deutscher Einfluß ist immernoch überall zu sehen. Die Häuschen (zumindest die meisten) sind schön mit Blumenschmuck hergerichet, es ist kein Müll zu sehen und alles ist schön gepflegt. Man hat so das Gefühl, als sei die Zeit dort stehen geblieben und fühlt sich in die 50er Jahre zurück versetzt.  

Nach einem kurzen Stopp geht es weiter. Eigentlich gehörte der Besuch des Pumalin Parkes, einem Privatpark, der von der amerikanischen Familie Thompson eingerichtet wurde, zu einem der Highlights der Reise. Doch nun ist uns schon von verschiedensten Seiten erzählt worden, daß dieser geschlossen sei. Vor 2 oder 3 Jahren ist wohl ein Vulkan ausgebrochen, der das Dorf Chaiten inklusive Umgebung unter einer Ascheschicht begraben hat. Der Park sei nicht mehr zugänglich und Chaiten bestehe nur noch aus 30 Einwohnern. Schweren Herzens beschließen wir deshalb, uns den zusätzlichen Weg nach Chaiten zu sparen und über den Paso Futaleufu nach Argentinien zurückzukehren. Wir übernachten in Futualeufu und passieren früh am Morgen die Grenze zu Argentinien. Zunächst liegt noch alles im Nebel, der sich dann jedoch nach und nach lichtet. Wir durchfahren landwirtschaftlich genutzte Flächen und entdecken eine Erdbeerplantage, auf der es jetzt noch (im Herbst) Erdbeeren gibt. Einige Erntearbeiter sind gerade beim Pflücken und erlauben Familie Jelinski für sich selbst welche zu ernten. Erfreut tritt die Familie in Aktion und nach kurzer Zeit ist eine Tüte gefüllt. Bezahlt werden wollen die Arbeiter nicht - wahrscheinlich sind es nicht ihre Beeren und der Boss ist offensichtlich gerade nicht da.... Wir lassen uns die köstlichen Erdbeeren schmecken und Eleonore fühlt sich als Erdbeerkönigin. 

 

 

Am Nachmittag kommen wir in El Bolson, angeblich die Hippie-Hauptstadt Argentiniens, an. Das Wetter ist toll und wir freuen uns, im Seengebiet endlich schöne Aufnahmen machen zu können. Als wir im Februar durchgefahren sind, war es ja mehr als bescheiden. Wir quartieren uns auf einem netten Campingplatz ein und kochen uns ein schönes Mahl. Heute gibt es zum Abendessen Chicken ‘Alexandra’, d.h. Hühnerbrust mit Zwiebeln und Paprika angebraten und mit Reis und Sojasoße vermengt.

Es ist uns genau ein Nachmittag Schönwettercampen gegönnt, denn als wir nach 2 Tagen weiterfahren, ist das Wetter wieder beim Alten und es regnet. Da Familie Jelinski noch einiges zu erledigen hat, fahren wir schon einmal weiter, versprechen uns jedoch, uns auf der Straße wieder zu treffen.

Die Fahrt nach Bariloche wäre schön, wenn das Wetter besser wäre. Dafür fahren wir an Steffens privatem See vorbei, der eigens nach ihm benannt wurde.  Als wir Bariloche erreichen, bessert sich das Wetter etwas, doch in Villa La Angostura ist die Regensuppe so dicht, daß nicht einmal die umliegenden Berge zu sehen sind. Alles ist also beim Alten. Offensichtlich ist es uns nicht vergönnt, die Seenregion fotografieren zu können. Unsere französischen Freunde quartieren sich angesichts der üblen Wetterlage in einem Hotel in Villa La Angostura ein. Sehr verständlich, denn es ist wirklich kein Vergnügen, bei einem solchen Wetter im Dachzelt zu leben... 

Also fahren wir zu zweit weiter, hinein in den Parque Nacional Nahuel Huapi. Auf der Fahrt durch den dichten Südbuchenwald sehen wir immer wieder leuchtend orange blühende Blumen, denen wir natürlich nicht widerstehen können. Auch Wasserfälle und malerische Flüsse sind zu sehen, leider nicht die angeblich wunderschönen Seen und Berge... Sehr positiv überrascht sind wir, als wir entdecken, daß es einige von der Parkverwaltung eingerichtete kostenlose Campingbereiche gibt. Toiletten sind zwar keine vorhanden, aber das stört uns weiter nicht. Oft ist das Gebüsch sowieso hygienischer als das was hierzulande als Toiletten bezeichnet wird.

 

 

Nach 3 Tagen im Park soll es zu unserem nächsten Ziel, dem Parque Nacional Lanin, gehen. Der Vulkan soll schön vom Lago Huechulafquen zu sehen sein, doch nicht für uns. Während es in Junin de Los Andes wettermäßig nicht so schlecht aussieht, ist es im Park total zugezogen. Nur graue Suppe, sonst ist nichts zu sehen. Bei Nachfrage am Parkeingang wird uns für die nächsten Tage keine Hoffnung auf Besserung gemacht (eher Hoffnung auf Schnee) und so ziehen wir von dannen. Die Hauptstraße wendet sich nun nach Osten und wir kehren der Andenkette den Rücken zu. Mit dem Verlassen der Berge bessert sich auch das Wetter. Leider ist es wieder sehr windig, aber wir sind sehr froh nach fast einer Woche nur Regen endlich mal wieder die Sonne zu sehen.

In sicherer Entfernung zu den Bergen, die uns immer linker Hand begleiten, fahren wir auf der Ruta 40 stets weiter Richtung Norden. Das Wetter ist schön und sonnig, die Landschaft jedoch sehr trocken und karg. Zwischen Chos Malal und Malargüe durchfahren wir das bizarre Tal des Rio Grande, wo viel schwarzes, vulkanisches Gestein zu sehen ist. Auch hier befindet sich einer der allgegenwärtigen Schreine zu Ehren von Deolinda Correa.

Zur Anfahrt auf San Rafael, wo wir planen mal wieder richtig einzukaufen, zu tanken und nach einem Ölfilter für den Landy zu suchen, wählen wir -mehr durch Zufall- die Strecke durch den Canyon del Atuel. Er beginnt bei El Nihul, wo sich ein großer Stausee befindet. Zu Beginn sind wir mal wieder enttäuscht. Der Atuel hat kein Wasser, weil alles oben aufgestaut ist und überall stehen Strommasten unästhetisch im Wege herum. Mal hat der Fluss Wasser, mal wieder keines; je nach dem wie es von den 4 Staustufen geregelt wird. Im unteren Bereich jedoch, wird es deutlich interessanter. Der Canyon weitet sich etwas, der Fluss hat  Wasser, es gibt herbstlich verfärbte Cottonwoods und viele interessante Felsformationen in den verschiedensten Farben und Materialien. Man hat fast das Gefühl, sich im Südwesten der USA zu befinden. Es ist wie eine Mischung aus Zion, Bisti Badlands, Escalante und Lake Powell. Alles in einem, aber viel kleiner. Hier gefällt es uns und wir können schon mal darüber hinwegsehen, daß der schöne Canyon durch industrielle Nutzung verschandelt wurde. Normalerweise müsste er umgehend unter Schutz gestellt werden. Aber wahrscheinlich wäre dann der Besucherstrom viel größer und der Platz würde komplett für den Tourismus vermarktet (wie all die anderen Plätze). Vielleicht schützt das Staudammprojekt ja diesen Canyon und bewahrt ihn so vor der weiteren Zerstörung? Uns gefällt es auf jeden Fall und verbringen 2 ruhige Nächte direkt am Fluss. In der zweiten Nacht werden wir jedoch gegen 5.00 Uhr morgens durch eine Sirene vom nahegelegenen Stauwerk aufgeschreckt! Wir erinnern uns an die überall aufgestellten Warnschilder, die darauf aufmerksam machen, daß sich die Wasserhöhe des Flusses durch Arbeiten am Damm verändern könnte. Deshalb beschließen wir kurzentschlossen, daß es sicherer wäre, höhere Gefilde aufzusuchen. Beim Packen bilden wir uns ein, daß der Fluss deutlich lauter rauscht und so müssen wir nicht länger überlegen. Weg hier!  Eine Sirene sollte man nie ignorieren! Am anderen Morgen ist jedoch alles wieder beim Alten - keine Überschwemmung. Vielleicht war doch alles nur falscher Alarm? Keine Ahnung - wir genießen auf jeden Fall den schönen, sonnigen Morgen und fotografieren was das Zeug hält. 

 

 

In San Rafael angekommen, quartieren wir uns im einzigen, leider sehr heruntergekommenen Campingplatz namens El Parador ein. Unsere Suche nach einem Filter bleibt vergebens, aber wir können einkaufen und -vor allem- endlich unseren Märzbericht schreiben, da es auf dem Platz einige Stromanschlüsse gibt. Immer wieder haben wir SMS-Kontakt mit Familie Jelinski, aber sie sind einige Tage hinter uns und wir schaffen es einfach nicht uns zu ‘kriegen’. Auch hier in San Rafael schaffen sie es nicht, uns einzuholen und wir fahren weiter Richtung Mendoza. Vor Mendoza biegen wir auf die Ruta 7 Richtung Chile ab, bis wir dann Uspallata, ein kleines Dorf am Fuße der mächtigen Andenberge, erreichen. Von Uspallata geht es immer weiter Richtung Chile, immer höher hinauf, bis wir dann endlich die Puente del Inca auf fast 2900 m.ü.M. erreichen. Dieser natürliche Steinbogen soll eines der größten Naturwunder Argentiniens sein. Und -oh Wunder- es kostet (noch) keinen Eintritt. Unterhalb der Steinbrücke befinden sich die Ruinen eines alten Thermalbads, die das warme Schwefelwasser der Thermalquellen im Laufe der Zeit gelb gefärbt hat. Weil wir am nächsten Morgen den ganz in der Nähe gelegenen Berg Aconcagua fotografieren wollen, übernachten wir in der Nähe. Allerdings nur auf einer Höhe von 2400 m, denn am Abend ist es an der Puente doch schon sehr kalt geworden. Am nächsten Morgen zieren die Felsbrücke Eiszapfen, es muß in der Nacht hier oben also schon ganz knackig kalt gewesen sein. Schon nach wenigen Minuten spüren wir unsere Finger nicht mehr und müssen abbrechen. Vor der morgendlichen Fotosession an der Puente waren wir noch im Parque Provincial Aconcagua, um vom Aussichtspunkt aus den -mit fast 7000 m Höhe- höchsten Berg der westlichen Hemisphäre zu fotografieren. Leider ist die Sicht von hier aus ziemlich verdeckt und wir haben das beste Licht verpaßt, weil der Park nicht wie angeschrieben um 8.00 Uhr geöffnet hat. Es ist nämlich gar niemand aufgetaucht und so sind wir illegalerweise unterwegs gewesen.

 

 

Auf derselben Straße auf der wir hergekommen sind, fahren wir wieder nach Uspallata zurück. Von Uspallata nehmen wir einen Pass, der durch das Riserva Natural Villavicencio zur Therme Villavicencio und weiter nach Mendoza führt. Zu Beginn fahren wir durch eine herbstlich verfärbte Pappelallee, dann durch eine zunächst noch interessante Felslandschaft. Die ‘Straße’ wird immer schlechter und die Landschaft immer karger und öder. Auf der Passhöhe angekommen, geht es dann in langen Haarnadelkurven immer bergab. Der Weg ist sehr eng, kurvig und von schlechter Oberfläche. Wir wünschen uns nicht nur einmal, doch lieber die gut ausgebaute Teerstraße genommen zu haben. Aber nun hilft es ja nichts, da müssen wir durch. Langsam kriechen wir voran bis zu einer besonders ausgesetzten Stelle, von wo aus die Haarnadelkurven und das Thermalbad Villavicencio zu sehen sind.

Den ganzen Vormittag benötigen wir für die 40 km von Uspallata nach Villavicencio und beschließen, nachdem wir wieder Teer unter den Rädern haben, heute einmal früh Schluß zu machen. Entlang der Straße, die sich immer noch im Riserva Natural befindet, finden wir ein schönes Plätzchen und machen es uns für die Nacht gemütlich. Am nächsten Tag wollen wir nach Mendoza (wieder einmal nach dem Filter suchen) und dann ist es aus mit der Ruhe.

In der Nähe von Mendoza haben wir wieder Handyempfang und wir SMSen an Familie Jelinksi. Wir wissen, daß sie mittlerweile in Mendoza eingetroffen sind und fragen, ob sie noch länger bleiben. Und tatsächlich: sie bleiben noch und sind auf einem günstigen Campingplatz mit hervorragendem WIFI! Das ist für uns natürlich überzeugend und so machen wir uns auf durch den Großstadtdschungel Mendoza mit der Absicht uns ebenfalls dort einzunisten. Nach einigem Nachfragen treffen wir dann endlich am Camping Pilcamayo ein und freuen uns sehr, unsere Freunde wiederzusehen. Wir bauen unser Camp auf und nutzen gleich das schnelle WIFI, um unseren Märzbericht endlich hochzuladen! Und wirklich! In wenigen Minuten ist das, was bisher immer Stunden gedauert hat, erledigt. Am Nachmittag machen wir uns auf die Suche nach einer Werkstatt. In Uspallata hatte uns ein Discovery TD5-Besitzer eine Adresse gegeben und so hoffen wir, daß wir dort einen Ölfilter erstehen können. Nach langem, nervenaufreibendem Suchen finden wir die Werkstatt schließlich und -tatsächlich- sie haben den Ölfilter. Offensichtlich ist es eine frühere Rover-Werkstatt und so ist auch die ganze Fahrzeugpalette von Landrover in der Halle vertreten. Steffen ist mutig und macht den Chef auf unsere quietschenden Bremsen aufmerksam. Dazu muß man sagen, daß diese schon seit Australien quietschen, es jedoch immer schlimmer wird, obwohl noch genügend Belag vorhanden ist. Da es uns schon seit einiger Zeit ziemlich auf die Nerven geht, fragen wir Gudino in der Hoffnung, daß er schnelle Abhilfe weiß. Leider ist Steffen mit seiner Frage jedoch zu mutig. Zuerst werden die hinteren Beläge abmontiert und es wird uns verständlich gemacht, daß sie wohl kristallisiert sind und ein Wechsel notwenig ist. O.K. gesagt getan. Nach einer Probefahrt stellt sich aber heraus, daß es immer noch quietscht. Also werden die vorderen Beläge abmontiert und überschliffen. Leider quietscht es immer noch. Zu guter Letzt werden die vorderen Beläge auch noch getauscht. Resultat: es quietscht wie eh und je. Entnerft lehnen wir weitere Arbeiten ab und verlangen die Rechnung. Als es nur ca. 500 Pesos (ca. 100 EUR) inklusive Ölfilter kostet, sind wir doch ziemlich erleichtert. Insgesamt haben wir die Werkstatt nämlich gute 3 Stunden auf Trab gehalten. Mittlerweile ist es auch schon Nacht und wir müssen bei Dunkelheit auf den Campingplatz zurück finden. Hungrig und durstig erreichen wir gegen 21.00 Uhr unser Camp und fallen nur noch ins Bett.

Angesichts der tollen WIFI-Aussichten bleiben wir -und auch die Jelinskis- noch einen weiteren Tag und genießen das Campleben. Es gibt zahllose wilde Katzen und Hunde, die wir pausenlos abwehren müssen, weil sie sich sonst an unseren Vorräten gütlich tun oder sogar ins Auto hüpfen wollen. Nach zwei gemeinsamen Tagen trennen wir uns wieder von unseren Freunden, denn sie wollen von hier aus nach Chile, während wir weiter nach Norden fahren. Wir vereinbaren jedoch, daß wir uns in ca. 1 Woche in der Gegend um Salta wiedersehen wollen. Mal sehen, ob das klappt....

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